Pastorin Uhlemeyer-Junghans aus Winsen startet als Synodale durch
Das Parlament der evangelischen Landeskirche Hannovers ist die Landessynode, und diese wurde im vergangenen Jahr neu gewählt. Jetzt haben sich die 79 neu gewählten Mitglieder erstmals getroffen. Pastorin Simone Uhlemeyer-Junghans aus der Gemeinde St. Jakobus in Winsen war dabei.
Frau Uhlemeyer-Junghans, Sie sind im letzten Jahr als ordiniertes Mitglied, also als Pastorin in die Landessynode gewählt worden. Ende Februar hat sich die neue Landessynode zu ihrer konstituierenden Sitzung getroffen. Sie waren zum ersten Mal dabei. Wie würden Sie das beschreiben – in drei Worten?
Simone Uhlemeyer-Junghans (SUJ): Aufregend, anders und es hat Spaß gemacht.
Wie muss man sich so eine Synodensitzung vorstellen?
SUJ: Das ist ja nicht nur eine Sitzung, sondern das sind in zweieinhalb Tagen ganz viele Sitzungen. In der konstituierenden Sitzung wurden erstmal vor allem ganz viele Posten besetzt und gewählt. Es gibt verschiedene Synodengruppen, und da wird abgesprochen, wer sich für welchen Posten bewirbt. Man bespricht sich in der Gruppe und dann muss man ins Plenum und dann wird gewählt und dann muss man wieder zurück und das ist ein munteres Hin und Her. Und manchmal gibt’s auch was zu essen zwischendurch.
Mit Wencke Breyer steht erstmals eine Frau als Präsidentin an der Spitze des Kirchenparlaments. Wie ist Ihr Eindruck dazu?
SUJ: Ganz zufällig habe ich von Anfang an in unserer neuen Synodengruppe neben Wencke Breyer gesessen habe und konnte sie gleich ein bisschen kennenlernen. Sie war vorher bereits über 10 Jahre Vizepräsidentin der Landessynode. Irgendwann hat sie dann gesagt: „Ich werfe meinen Hut in den Ring.“ Und dann ist sie gewählt worden. Ich bin mir sicher, dass sie diese Aufgabe mit ganz viel Freude und Engagement angeht und dass sie das richtig gut machen wird.
Ähnlich zu den Fraktionen in der Politik gibt es in der Synode sog. Parlamentsgruppen. Bisher gab es zwei, nun ist eine dritte neu hinzugekommen. Zu welcher Parlamentsgruppe gehören Sie und warum?
SUJ: Also ich gehöre natürlich zu der neu gegründeten Synodengruppe „Kirche in Bewegung“ (KiB). In dieser Gruppe sind ziemlich viele Menschen, die neu in die Synode gewählt wurden.
Die Schwerpunkte von „Kirche in Bewegung“ sind Familienfreundlichkeit, Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Synodenarbeit und vor allem auch Machtsensibilität. Das finde ich gut und daher habe ich mich für diese Gruppe entschieden.
Über die neue Parlamentsgruppe haben wir schon gesprochen. Können Sie auch etwas zu den beiden schon länger bestehenden Gruppen sagen? Was haben die für eine Ausrichtung?
SUJ: Eigentlich haben die Gruppen keine spezielle Ausrichtung, sondern das Wichtige an ihnen ist der Austausch, die Diskussion und die Vorbereitung von Entscheidungen im kleineren Kreis. Es gibt die LVK („Lebendig – Vielfältig – Kirche“) und die GOK („Gruppe Offene Kirche“). Die GOK wurde 1969 gegründet und gilt als eher progressiv; die LVK kam 1978 hinzu und wird als gemäßigt konservativ beschrieben.
Die Tagungen der Synode sind immer öffentlich, und daher ist es wichtig, in einem geschützten Raum Themen noch mal besprechen zu können.
Landesbischof Ralf Meister hat in seinem Bericht über die Kirche als Institution gesprochen, die vielfältigen Bedrohungen ausgesetzt ist. Er hält die Kirche nach wie vor für eine „lebensdienliche Institution“ und hat gesagt: „ich halte sie – auch in ihrer institutionalisierten Form – für wert, dass es sie gibt.“ Würden Sie dem Landesbischof da zustimmen? Was bedeutet die Institution Kirche für Sie?
SUJ: Institutionen werden gehört, und Menschen, die in diesen Institutionen arbeiten, werden gehört. Wenn ich mich allein irgendwo hinstelle und beachtet werden will, dann ist das immer schwieriger, als wenn ich irgendwo angeschlossen bin.
Deshalb muss man sich in irgendeiner Form zusammenschließen, damit man Aufmerksamkeit bekommt. Ich stimme dem Landesbischof zu. Wir sind als Kirche deshalb wichtig, weil wir erstmal alles aufnehmen und dann in irgendeiner Weise dazu Stellung beziehen. Als diejenigen, die beachtet werden, schlagen wir uns auf die Seite derer, die gehört werden müssen. Wir müssen dadurch nicht Geld verdienen oder Stimmen bekommen oder sowas. Das müssen wir alles nicht.
Deshalb haben wir da eine tolle Position, die wir einbringen können.
Wo sehen Sie Ihre Schwerpunkte bei der Arbeit in der Synode? Gehören Sie bestimmten Ausschüssen an?
SUJ: Also mein Schwerpunkt in der Synode ist eigentlich etwas gegen Einsamkeit zu tun bzw. das zu einem Thema zu machen. Das ist mir wichtig. Und Sachen vorantreiben, die neu sind und wo vielleicht experimentiert werden muss, aber die es wert sind, ausprobiert zu werden.
Ich bin in den Ausschüssen für „Mission und Ökumene“ und für „Kirchliche Mitarbeit“. Der Ausschuss „Kirchliche Mitarbeit“ kümmert sich um alle Menschen, die bei Kirche angestellt sind, aber auch um ehrenamtliche Mitarbeitende, also um alle, die mitarbeiten – mit und ohne Geld.
Wie ist Ihr Fazit zum ersten Einsatz in der Landessynode?
SUJ: Ich habe dort viele Leute kennengelernt und gemerkt, dass die wirklich Lust haben, Sachen zu verändern und Kirche zu gestalten. Das war total schön und hat einem Lust darauf gemacht, dort zu arbeiten. Das habe ich als das Wertvollste mitgenommen.
Die nächste Tagung der Landessynode ist dann im Juni. Dafür wünschen wir Ihnen schon jetzt viel Erfolg!